Keynote Lecture Freitag

Die Keynote Lectures zählen zu den besonderen Highlights des Programms. In halbstündigen Vorträgen stellen herausragende Experten wichtige Themen in umfassender Weise dar.

Zellenbasierter Ansatz zur Hornhauttransplantation

Verschiedene schwere Erkrankungen der Augenoberfläche sind bisher nur sehr schwer behandelbar. Hierzu zählen das Stevens-Johnson-Syndrom, chemische Verätzungen und die bullöse Keratopathie. Dank neuster Entwicklungen der regenerativen Medizin und der Hornhautbiologie sind heute jedoch verschiedene Arten von transplantierbaren, in vitro kultivierten Epithelzellschichten verfügbar, mit denen sich die gestörte Augenoberfläche wiederherstellen lässt. Hierbei handelt es sich zum einen um allogene/autologe Hornhautstammzellen und zum anderen um autologe Mundschleimhaut-Epithelzellen. Zwar kommt es bei der Rekonstruktion der Augenoberfläche unter Einsatz dieser Zellschichten in manchen Fällen zu postoperativen biologischen bzw. immunologischen Komplikationen unterschiedlicher Schwere. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Augenoberfläche in vielen Fällen gut wiederhergestellt werden kann.

Eine weitere neue Methode besteht in der Injektion von kultivierten Hornhautendothelzellen in die Vorderkammer zur Behandlung von Hornhautendothel-Dysfunktionen. Hierzu können Hornhautendothelzellen von Spenderhornhäuten zur Proliferation angeregt und dann transplantiert werden. In der klinischen Forschung hat dieses Verfahren bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert. Jetzt steht die behördliche Genehmigung aus, um die Therapie in die Anwendung am Menschen zu überführen.

Professor Shigeru Kinoshita war seit 1992 als Professor und Lehrstuhlinhaber für Ophthalmologie an der Kyoto Prefectural University of Medicine tätig, bis er dort im April 2015 an den Lehrstuhl und zum Vorsitzenden für Frontier Medical Science and Technology for Ophthalmology berufen wurde. In den vergangenen 30 Jahren hat er sich wissenschaftlich und klinisch vor allem der translationalen Erforschung neuer therapeutischer Verfahren für schwere Hornhauterkrankungen gewidmet. Neben den oben beschriebenen Therapien zur Behandlung schwerer Augenoberflächendefekte und zur Transplantation von in vitro kultivierten Hornhautendothelzellen, wies das Forscherteam um Kinoshita die klinische Wirksamkeit einer topischen Anwendung von ROCK (Rho-assoziierte Proteinkinasen)-Inhibitoren nach, mit dem Ziel, neue medikamentöse Therapien zur Behandlung von Hornhautendothel-Dysfunktionen zu entwickeln.

Shigeru Kinoshita ist für seine Forschungsarbeit vielfach ausgezeichnet worden – bis in die jüngste Vergangenheit hinein. So wurde er 2015 mit dem Charles D. Kelman Innovator Award der ASCRS geehrt, hielt beim ARVO 2016 die Friedenwal Award Lecture, war 2017 Coster Lecturer beim Symposium der Australian and New Zealand Cornea Society und David Easty Lecturer beim Bowman’s Club. Von 2007 bis 2012 fungierte Professor Kinoshita als Mitherausgeber der Fachzeitschrift Investigative Ophthalmology & Visual Science.

Alle inhaltlichen Details finden Sie in der Programmübersicht.

Freitag, 29.9.2017, 11:15 – 11:45
von Graefe Saal
Keynote Lecture:
Cell concept in corneal ­transplant
(engl.)

Keynote Speaker:
Prof. Shigeru Kinoshita

Kyoto, Japan

Corneal biology has been better understood over the last three decades, better and new concepts for corneal surface diseases as well as endothelial cell transplants have been developed. The lecture will cover the development and current status of these cell concepts for corneal therapies.