Keynote Lecture Donnerstag

Die Keynote Lectures zählen zu den besonderen Highlights des Programms. In halbstündigen Vorträgen stellen herausragende Experten wichtige Themen in umfassender Weise dar.

Alle inhaltlichen Details finden Sie in der Programmübersicht.

Donnerstag, 28.9.2017, 11:30 – 12:00
von Graefe Saal
Keynote Lecture:
1850 - 2017: Augenheilkunde im Spiegel der (deutschen) ­Geschichte
Albrecht von Graefe Vorlesung

Keynote Speaker:
Prof. Martin Rohrbach

Tübingen

Die Augenheilkunde wurde seit 1850 nicht nur von medizinischen, ophthalmologischen und technischen Entwicklungen geprägt, sondern ganz entscheidend auch von politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen beeinflusst, wobei die Zeit des Nationalsozialismus den bis heute stärksten Bruch im Fachgebiet mit sich brachte. Das Verständnis der historischen Zusammenhänge sollte dabei helfen können, die (ophthalmologische) Zukunft mit zu gestalten.

In kaum einem anderen medizinischen Fachgebiet sind die historischen Zusammenhänge so gut erforscht, die Wechselwirkungen zwischen medizinisch-technischen Entwicklungen und politisch-ökonomischen Rahmenbedingungen grundlegender beschrieben. Bei vielen Innovationen, die das diagnostische und therapeutische Spektrum in der Heilkunst allgemein voranbrachten, war die Augenheilkunde Vorreiter. Beispielsweise wurde die erste Lokalanästhesie überhaupt am Auge durchgeführt – Carl Koller stellte das segensreiche Verfahren 1884 vor.

Martin Rohrbach ist Leiter des Forschungsbereichs Geschichte der Augenheilkunde, zugleich Oberarzt an der Universitäts-Augenklinik Tübingen. Seit rund 25 Jahren wird dort ophthalmo-historische Forschung betrieben, seit 1998 mit dem Schwerpunktthema „Augenheilkunde im Nationalsozialismus“. Auch in seiner Keynote Lecture beschäftigt sich Martin Rohrbach mit der Frage, welche einschneidenden Folgen der Nationalsozialismus für die Augenheilkunde und für die DOG als Fachgesellschaft hatte. So emigrierten rund zwei Drittel der jüdischen Augenärzte bis zum Jahr 1939 aus Nazi-Deutschland, von denen nur drei anschließend wieder zurück in die Bundesrepublik kehrten.